Das Porzellanikon ist Europas größtes Museum für Porzellan. Es ist auf die beiden Standorte Selb und Hohenberg aufgeteilt. Wir nehmen Sie mit und zeigen Ihnen, was es hier alles zu erleben gibt.
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Während sich am Standort hauptsächlich alles um die Herstellung des Porzellans dreht, steht in Hohenberg das Porzellan als Dekoobjekt und Gebrauchsgegenstand und sein Wandel in den Zeiten im Mittelpunkt.
Inhaltsverzeichnis
Das Porzellanikon in Selb
Wir beginnen unseren Ausflug in Selb, denn zuerst wollen wir erfahren, wie das Porzellan hergestellt wird. Das Porzellanikon befindet sich hier an einem authentischen Ort. Bis 1969 fertigte hier die Firma Rosenthal Porzellan. Rund 8.000 qm Ausstellungsfläche warten darauf, entdeckt zu werden.
Der Rundgang führt durch mehrere Häuser. Wir beginnen an der großen Dampfmaschine, die riesig und mächtig die Firma mit Strom versorgte. In den Nebenräumen wird anschaulich die Herstellung des Porzellans aus den Grundstoffen Kaolin, Quarz und Feldspat erläutert.
Schon hier gibt es eine Menge zu entdecken und zu bestaunen. Zahlreiche gut erhaltene Maschinen vermitteln einen Eindruck von der Arbeit der Porzellanherstellung.
Wie entsteht Porzellan?
Jeweils zur vollen Stunde gibt es Vorführungen an der lautstarken Trommelmühle und natürlich wird auch die Dampfmaschine unter lautem Getöse in Bewegung gesetzt.
Weitere Vorführungen gibt es übrigens im Haus 3. Hier wird gezeigt, wie ein Becher gedreht wird und eine Zuckerdose gegossen wird. Folgen Sie uns nun ins Haus drei.
Laut Plan sollte man von oben nach unten vorgehen. Obwohl es auch anders herum funktioniert, beginnen wir ganz oben. Halle 3 widmet sich der Bearbeitung der Porzellanrohmasse bis hin zum fertigen Geschirr. Wir erfahren alles über das Modellieren, das Drehen, das Gießen des Porzellans, das Kapseldrehen, das Glasieren und letztlich das Brennen.
Zusätzlich gibt es 20 Hands on! – Stationen. Eigentlich sind sie für Kinder gedacht. Aber wir hatten beim Ausprobieren und mitmachen auch sehr viel Spaß. An den Stationen kann man die Porzellanherstellung hautnah erleben. Wie entsteht eine Gussform, wie funktioniert ein 3-D Druck, wie steht eine weiche Porzellanfigur beim Brennen? Diese uns viele weitere Fragen lassen sich spielerisch im Museum beantworten.
Hands On Stationen Hands On Stationen Hands On Stationen
Einblick in die Porzellanherstellung am historischen Ort
Die Ausstellung ist nicht nur wegen den Stationen sehr lebendig und hat uns sehr begeistert. Zahlreiche Videos und sehr gut aufgearbeitete Infotexte geben einen umfassenden Einblick in die Produktion des Weißen Goldes. Die Geschichte wird in den ehemaligen Produktionsräumen sehr lebendig dargestellt. Die Ausstellung ist weiträumig angelegt und sehr offen gestaltet. Man fühlt sich in die Zeit der Produktion zurückversetzt.
In den Hallen gibt es aber auch eine architektonische Besonderheit: in Halle 3 und 4 sind die großen und mächtigen Rundöfen, die sich über mehrere Etagen erstrecken noch erhalten und werden mit in die Ausstellung integriert. Ein gelungenes Konzept.
Halle 4 widmet sich den Trends und Tendenzen der deutschen Porzellanindustrie und in Etage eins finden wechselnde Sonderausstellungen rund um das Thema Porzellan statt. Wer wissen möchte, wie das Leben eines Porzelliner ausgesehen hat, dem sei die unterste Etage empfohlen. Hier dreht sich alles rund um die schwere und anstrengende Arbeit in den Porzellanfabriken, aber auch um das Leben in der Freizeit.
Ergänzt wird die Ausstellung mit einer Ausstellung über die Nutzung von Keramik und Porzellan in der Industrie und mit einer Ausstellung über die Geschichte der Firma Rosenthal. Letztere haben wir selbst noch gar nicht gesehen. Ich habe erst jetzt bei der Recherche zum Artikel darüber gelesen. Aber das werden wir auf jeden Fall noch einmal nachholen.
Zusätzlich befindet sich im Museum das Restaurant „Altes Brennhaus“. Zu den Öffnungszeiten des Museum kann man sich hier stärken bevor man zum zweiten Teil des Museums nach Hohenberg aufbricht.
Das Porzellanikon in Hohenberg
Hohenberg liegt 16 Kilometer südlich von Selb und mit dem Auto sollte man ca. 20 Minuten Fahrtweg einrechnen. Auch hier befinden wir uns wieder an einem historischen Ort. In Hohenberg gründete Carolus Magnus Hutschenreuther, ein Thüringer, die erste Porzellanfabrik im fränkischen Raum und legte damit den Grundstein für die Porzellanindustrie in der Region.
Das Porzellanikon in Hohenberg befindet sich in einem Haus mit wechselvoller Geschichte. Erst war es Produktionsstätte, dann erfolgte der Umbau in eine Direktorenvilla und in der Nachkriegszeit befand sich hier eine Zahnfabrik. Bis in die 70er Jahre stand es leer und wurde 1982 als Museum wieder eröffnet. 1995 wird das Haus mit einem zusätzlichen Anbau versehen.
In Hohenberg widmet man sich auf 2.000 qm mit sehr viel Charme der Porzellangeschichte von der Entstehung des Porzellans bis ins Jahr 1989. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt dabei beim 19. Und 20. Jahrhundert. Das Porzellan wird hier nicht einfach nur gezeigt, sondern regelrecht inszeniert. Es ist eine außergewöhnliche und ansprechende Ausstellungsgestaltung. Jeder Raum hat seinen eigenen Charme.
Zusätzlich zur Dauerausstellung widmen sich Sonderausstellungen immer wieder unterschiedlichen Perspektiven der Geschichte des Porzellans und seinem Design.
Die 20er Jahre – die Sammeltasse wird erfunden Das Schokoladenmädchen darf nicht fehlen Präsentation wie in einem Schaufenster
Das Museum wird umrahmt von einem sehr einladenden kleinen Garten.
Fazit
Das Porzellanikon mit seinen beiden Standorten ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Geschichte des Porzellans wird sehr umfassend und ansprechend dargestellt. Das Porzellan wird von all seinen Facetten von der Herstellung bis zum Endprodukt beleuchtet. Planen Sie auf jeden Fall genug Zeit ein. Allein für Selb sollten Sie mindestens zwei bis drei Stunden rechnen.
Die Standorte können unabhängig voneinander besucht werden. Für die Museen gibt es Einzeltickets, aber auch ein preisgünstigeres Kombiticket für beide Standorte. Übrigens: immer sonntags gibt es einen ermäßigten Eintritt von nur einem Euro.
Und sonst noch?
Mehr über die Porzellanstadt Selb erfahren Sie HIER. Übrigens: in Selb hat sich auch Walter Gropius verewigt. Hier steht mit der Rosenthalfabrik am Rosenbühl sein letzten Bauwerk. Es ist eines der wenigen Bauhaus-Bauten in Bayern.
Transparenzhinweis: Wir durften beide Museen kostenfrei besichtigen. Vielen Dank für die Einladung. Der Artikel spiegelt wie immer unsere eigene Meinung wieder und ist natürlich auch aus freien Stücken entstanden
Museum in Selb:
Museum in Hohenberg an der Eger: