Sokolov – ein Stadtrundgang

Unser heutiger Ausflug führt uns auf dem Kulturweg der Vögte nach Sokolov (Falkenau). Die Stadt liegt zwischen Karlovy Vary und Cheb. Was es hier alles zu entdecken gibt, lesen Sie im Blogbeitrag.

Am Schloss in Sokolov

Lohnt ein Ausflug nach Sokolov

In einem Reiseführer von 1966 heißt es über Sokolov: „Die Waldesstille wird im Becken von Sokolov (Falkenau) von dem regen Treiben der Kohlegruben und Schornsteine der Betriebe abgelöst. Braunkohleförderung und Gewinnung von erstklassigem Kaolin haben die Entfaltung einer bedeutenden chemischen Industrie und einer berühmten Porzellanherstellung ermöglicht.“ Klingt auf dem ersten Blick nicht wirklich einladend. Wir machen uns trotzdem auf den Weg und wollen selbst entdecken, was die kleine Stadt an der Ohře (Eger) zu bieten hat.

Marktplatz in Sokolov

Zur Geschichte der Stadt

Sokolov liegt nördlich des Kaiserwaldes und in der Tat ist die Umgebung noch vom Bergbau und seinen Überbleibseln geprägt. Die Stadt selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis zur Ersterwähnung ins Jahr 1279 reicht. Einer Legende nach soll Ritter Sebastian (genannt Wastl) aus Cheb hier einen Falkenhof erbaut haben, aus dem sich dann die Stadt entwickelte. Noch heute gibt es ihm zu Ehren auf dem Marktplatz einen Brunnen aus dem Jahr 1717 mit der Figur des Wastl. Die Säule ist außerdem mit Hopfenpflanzen verziert, die auf die jahrelange Tradition des Hopfenanbaus in Sokolov hinweisen.

der Wastl-Brunnen am Marktplatz

Das Schloss von Sokolov

Schon im 13. Jahrhundert wurde hier von der Adelsfamilie Notthaft eine Burg errichtet. Sie stand auf dem Gelände des heutigen Schlosses. Bei Grabungsarbeiten im Zuge der Renovierungsarbeiten 1993/94 fand man Überreste der Burg.

1434 erhielt Kaspar Schlick die Falkenauer Herrschaft von Sigismund von Luxemburg. Er lies an Stelle der alten Burg ein neues Schloss errichten, dessen Anlage wir auch heute noch sehen. 1622 ging der Besitz an die Familie Nostitz über. Nachdem es im 30jährigen Krieg stark beschädigt wurde und Teile abbrannten, wurde das Schloss zwischen 1659 und 1663 im Stil der Renaissance erneuert. Die klassizistischen Elemente erhielt das Schloss beim Umbau der Jahre 1800 bis 1805. Die Familie Nostitz war bis 1945 im Besitz des Schlossen, wurde aber aufgrund der Benes-Dekrete enteignet.

Nun erging es dem Schloss wie vielen anderen auch: es wurde Militärkommandantur. Erst von den Amerikanern und dann von den Sowjets. Dabei entstanden große Schäden, vor allem am Inventar. In den 1960er Jahren wurde das Schloss einer zivilen Nutzung zugeführt. Nach Renovierungsarbeiten beherbergt es ein Museum sowie eine Bibliothek. Heute widmet sich das Museum der Bergbaugeschichte, der Porzellanherstellung, der Geschichte der Arbeiterbewegung, der Zeit des zweiten Weltkrieges und liefert geschichtliche Hintergründe zu den Adelsfamilien in deren Besitz das Schloss war. Rund um das Schloss lädt ein schön gestalteter Park zum Spaziergang ein.

Der Innenhof des Schlosses

Vom Bergbau zum Tagebau

Nach dem zweiten Weltkrieg ereilte Sokolov ein ähnliches Schicksal wie zahlreichen anderen Städten im Egerland. Die Bevölkerung wurde fast vollständig „ausgetauscht“. Noch 1930 zählt man hier 11.381 Einwohner, wovon 10.153 Deutsche und 1.228 Tschechen waren. Nach dem Krieg wurden die Deutschen vertrieben. In diese Zeit fällt auch die Umbenennung der Stadt aus Falkenau bzw. Falknov auf tschechisch wurde Sokolov – abgeleitet vom tschechischen Wort für Falke: Sokol. Falkenov klang zu deutsch und musste deshalb weichen.

Baugebundene Kunst im Neubaugebiet direkt neben dem Schloss

Da man in der Bergbauregion aber auf Arbeitskräfte nicht verzichten konnte, wurden Tschechen hier angesiedelt. Bis zum Jahr 1980 wuchs die Zahl der Einwohner auf 25.000, wo sie seit dem auch verharrt. Bei einem so großer Bevölkerungszuwachs bedarf es natürlich auch neuer Wohnungen. Das Problem löste man wie vielerorts mit Neubauten, direkt in der Innenstadt. Ein Großteil der alten Bausubstanz musste weichen. So befindet sich auch heute noch direkt neben dem Schloss ein großes Neubaugebiet.

Neubau und alte Substanz wechseln sich ab

Weitere Sehenswürdigkeiten

Trotzdem gibt es im Stadtzentrum die eine oder andere Perle zu entdecken.

die evangelische-lutherische Kirche aus dem Jahr 1904

Eine überraschende Entdeckung in Sachen klassischer Moderne ist das Haus der Bergleute, das heute das Kulturzentrum beherbergt. Der große Bau wurde 1923/1924 von Rudolf Wels errichtet: Er war ein Schüler von Adolf Loos und Friedrich Ohmann. Loos hinterließ auch Spuren am Bau des Hauses der Bergleute – der Raumplan stammt von ihm.

Die Außenfassade des prägnanten Gebäudes ziert das 30 Meter lange Relief „Ein Tag im Leben eines Bergmanns“ das von Wilhelm Srb-Schlossbauer nach einer Idee von Wels umgesetzt wurde.

Haus der Bergleute in Sokolov von Rudolf Wels
Die Rückseite am Haus der Bergleute

Ein weiteres Bauwerk von Wels in Sokolov steht unweit des ehemaligen Klosters – ein Schulgebäude aus dem Jahr 1926 in der Komenského ulice.

Schule von Rudolf Wels

Rund um den Marktplatz von Sokolov

Das Kapuzinerkloster und die Kirche St. Antonius von Padua wurde 1663-1667 auf Anweisung von Johann Hartwig von Nostitz erbaut. Noch bis 1950 wurde es als Kloster genutzt. Danach war erst die tschechische Armee hier untergebracht und später diente es als Lager. Nach einer umfassenden Sanierung wird es nun als Konzert- und Veranstaltungsgelände genutzt. Außerdem befindet sich hier die Brauerei Permon. Wir konnten das Bier leider nicht testen, das sonntags geschlossen ist. Aber das holen wir natürlich nach. Direkt vor dem Kloster befindet sich die Barockkapelle zur allerheiligsten Dreifaltigkeit aus dem Jahr 1719.

Kloster und Barockkapelle

Von hier aus ist der Marktplatz schon in Sichtweite. Das historische Zentrum mit seinen bunten Fassaden erstreckt sich rund um den Marktplatz bis hin zur Kirche St. Jakob, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen. Die alte Pfarrkirche wurde 1632 im Stil der Spätrenaissance erbaute und schon wenige Jahre später (1671-1681) erneuert. Diesmal im Barockstil.

Blick zur St. Jakobskirche auf dem Marktplatz

Auf dem Marktplatz steht der schon angesprochene Falkenbrunnen sowie die Mariensäule. Außerdem befindet sich hier das alte Rathaus in einem Bau aus dem Jahr 1540, der 1730 sein heutiges Erscheinungsbild erhielt.

Das alte Rathaus

Der Altmarkt Staré náměstí erhielt sein heutiges Aussehen nach einem Stadtbrand Ende des 19. Jahrhunderts. Besonders die farbenfrohen Fassaden machen den Platz sehr einladend.

Fazit

Sokolov ist durchaus einen Ausflug wert. Es hat zahlreichen kleinen Perlen zu bieten, die es zu entdecken lohnt.

Marktplatz in Sokolov

Weitere Ausflugsziele rund um Sokolov

  • Keine 10 Kilometer sind es bis zur pittoresken Stadt Loket
  • Ebenfalls 10 Kilometer, aber in die andere Richtung liegt Hřebeny mit der Burgruine Hartenberg. Sie kann von Mai bis September im Rahmen einer Führung besucht werden.
  • Auch Karlovy Vary ist nur 18 Kilometer von Sokolov entfernt
  • In 31 Kilometer Entfernung liegt Cheb mit seiner sehenswerten Innenstadt und der Kaiserpfalz
Statue des Nepomuk

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