Auf Granit gebaut – Wanderung rund um die Burgruine Epprechtstein

Unsere heutige Wanderung führt uns entlang des Steinbruchwegs zur Burgruine Epprechtstein. Wir sind im Fichtelgebirge und gleichzeitig auf dem Kulturweg der Vögte unterwegs. Der Rundweg führt uns vorbei an bedeutenden Stellen der Granitgewinnung bis hin zur vögtischen Vergangenheit – an die Burg Epprechtstein.

Ausflug mit Ausblick – Blick von der Burgruine Epprechtstein

Rundwanderung um den Epprechtstein

Unser Ausgangspunkt liegt ganz in der Nähe des kleinen Ortes Kirchenlamnitz im Fichtelgebirge. Hier gibt es zwei Parkplätze – ein Wanderparkplatz am Hinteren Buchhaus und einer am Granitlabyrinth am vorderen Buchhaus.

Da wir unsere Wanderung am Granitlabyrinth beenden wollen, entscheiden wir uns für diesen Parkplatz und wandern von hier aus los.

Schräg gegenüber der Gaststätte zur Waldschmiede befindet sich das Granitlabyrinth mit einem Parkplatz

Auf dem Steinbruchwanderweg

Der Steinbruchrundwanderweg gibt zahlreiche Einblicke in die schwere Gewinnung des Materials. Die Granitgewinnung reicht hier bis ins Mittelalter zurück. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie 1844 begann dann auch eine industrielle Entwicklung des Abbaus. Zum einen konnte mit der Bahn der Granit über weite Strecken transportiert werden, aber die Bahn selbst war zugleich auch ein großer Abnehmer des Granits.

der Steinbruchwanderweg führt an mehreren Granit-Steinbrüchen vorbei

Rund um den Epprechtstein gab es 20 Steinbrüche. An drei Steinbrüchen wird heute immer noch Granit abgebaut. Die anderen sind still gelegt und teilweise renaturiert. An einigen Steinbrüchen kommen wir auf unserem Rundweg vorbei. Des Weiteren führt der Weg zu einer Pulverkammer, zu einen Schutzunterstand und zur alten Verladerampe. An allen Stationen stehen ausführliche Informationstafeln, die einen Einblick in die Granitgewinnung geben.

An der alten Pulverkammer

Königlicher Besuch

Aber nicht nur heute ist das Gebiet um den Epprechtstein ein beliebtes Ausflugsziel – es zog sogar das preußische Königspaar hierher: Im Sommer 1805 besuchten Friedrich Wilhelm III. von Preußen und seine Gemahlin Luise das Fürstentum Bayreuth. Ein Punkt ihrer Reise war der Epprechtstein mit seiner romantischen Burgruine.

Am Luisentisch unterhalb der Burg

Um ihnen den Aufstieg so angenehm wie möglich zu gestalten, wurde ein neuer Weg (Königsweg) und Stufen aus Granit hinauf zur Burg angelegt. Die Stufen gibt es übrigens auch heute noch. Zur Erinnerung an diesen Besuch wurden Bänke und ein Tisch mit der Jahreszahl 1805 aufgestellt.

Auch die Stufen zur Burg Epprechtstein haben wir dem Besuch des Königspaares zu verdanken

Von hieraus sind es nur noch wenige Meter bis zur Burg Epprechtstein.

Auf zur Ruine der Burg Epprechtstein

Die Burg hat eine spannende Geschichte, die bis ins Jahr 1248 reicht. In diesem Jahr wird sie erstmals urkundlich erwähnt. Als Besitzer wird Eberhardus de Eckebretsteine genannt. 1308 belehnte König Heinrich VII die Brüder Ulrich, Heinrich und Nickel Sack mit der Burg.

Auf Granit gebaut – die Burg Epprechtstein

Bei der Burg handelte es sich um ein reichsunmittelbares Lehen. Das bedeutete für die gesamte Familie den sozialen Aufstieg. Sie gehörten dadurch zum reichsunmittelbaren Adel. Ulrich I. begegnete uns übrigens schon als Besitzer der Burg Sparnberg. Allerdings hatten sie die Burg nicht für sich allein. Gemeinsam mit den Brüdern wurde das sächsisch-fränkische Adelsgeschlecht Wild mit einem Teil der Burg belehnt. Zusätzlich belehnte im Jahr 1337 König Ludwig der Bayer auch noch Heinrich III. von Plauen mit einem kleinen Teil der Burg.

Blick zur Burgruine Epprechtstein

Aber der Frieden hielt nicht lange: Die Säcke kamen gemeinsam mit den Wilden in Verruf, den letztere machten ihrem Namen alle Ehre. Sie entführten Kaufleute aus Eger und ließen sie nur gegen Lösegeld wieder frei. Um dem ein Ende zu setzen erstürmten 1352 die Burggrafen von Nürnberg die Raubritterburg. 1355/56 kamen sie letztlich durch Kauf in den regulären Besitz der Burg

200 Jahre später wurde die Burg Epprechtstein im Zweiten Markgrafenkrieg 1553 durch die Truppen von Heinrich IV. von Plauen zerstört. Übrigens der vollständige Titel dieses Heinrichs lautet: Oberstkanzler des Königreichs Böhmen, Burggraf von Meißen, Herr zu Plauen, Gera, Greiz, Schleiz und Lobenstein, Herr zu Theusing, Neuhartenstein, Engelsburg und Luditz, Herr von Königswart und Petschau.

An der Ruine der Burg Epprechtstein

Seit dem stehen die Reste der Burg auf dem Epprechstein und bilden eine romantische Kulisse mit fantastischem Ausblick. Die Größe der Burg lässt sich heute noch gut erahnen. Die Reste stehen auf einer unbewaldeten langgestreckten Granitplatte. Noch gut zu erkennen ist der turmartige Palas.

Panoramablick

1982 wurde er mit einem hölzernen Aufbau als Aussichtsplattform versehen. Da in keine Richtung Bäume den Weg verstellen, hat man von hier aus einen ganz fantastischen Rundumblick über das Land. Und immerhin sind wir nun auch auf 798 m Höhe.

Burg Epprechtstein von hinten. Hier führt unser Weg auf dem Steinbruchrundweg

Unser Weg führt zum „Hinterausgang“ der Burg wieder zurück auf den Steinbruchweg. Immer wieder laden am Wegesrand Rastplätze zu einem Picknick ein.

weiter durch den Wald am Epprechtstein

Vorbei am Schlossbrunnen-Bruch geht es hinunter ins Tal zur ehemaligen Verladestation.

Am Blau-Bruch – da der Granit hier blau schimmert
An der ehemaligen Verladestation

Auf unserem Weg zurück zum Parkplatz liegt mitten im Wald das Naturfreundehaus mit einem kleinen Freisitz. Perfekt für eine Rast. Hier sollten Sie unbedingt das Bauernhofeis vom Buchberghof probieren. Es stammt von einem kleinen Bauernhof direkt im Nachbarort und ist einfach köstlich. (Es ist bestimmt Werbung, aber wir haben es natürlich selbst bezahlt).

Am Naturfreundehaus am Epprechtstein

Das Granitlabyrinth

Nun geht es zurück zum Parkplatz und gleichzeitig zu unserer letzten Station: dem Granitlabyrinth. Das Labyrinth besteht aus 180 Granitquadern und das Ziel ist eine 5 Meter hohe Säule natürlich auch aus Granit. Rund um das Labyrinth stehen weitere Tafeln, die Einblick in den Granitabbau und seine Verwendung geben.

Blick auf das Granitlabyrinth

Hier kann man unter anderem sehen, bei welchen Bauwerken der Granit verbaut wurde. Direkt vor dem Eingang zum Labyrinth stehen kleine Quader aus Granit der Region. Sie zeigen sehr schön, wie unterschiedlich der Granit ist, der im Fichtelgebirge abgebaut wird. Denn Granit ist nicht gleich Granit.

So unterschiedlich kann Granit sein

Unmittelbar am Parkplatz steht zudem ein architektonisch sehr gelungenes Haus – es ist das Infozentrum Epprechtstein. Einfach und klar gestaltet mit Materialien der Umgebung fügt es sich sehr gut in die Natur ein. Schaufilme zur Landschaft, ansprechend aufgearbeitete Informationen und Infomaterial zum Mitnehmen (und eine Toilette) bieten eine ausführliche Auskunft rund ums Fichtelgebirge.

Das Infozentrum zeigt, dass es nicht immer einer personalaufwendigen Tourismusinformation bedarf. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Information immer für die Besucher geöffnet ist.

Das architektonisch sehr gelungene Informationszentrum Epprechtstein
auch innen sehr ansprechend

Wer jetzt noch nicht nach Hause möchte, kann entweder in der Gaststätte „Zur Waldschmiede“ einkehren, dem Ort Kirchenlamnitz einen Besuch abstatten oder wie wir, zum Bauernhof fahren und schauen, wo unser Eis entstand. Aber mehr dazu in einem anderen Blogbeitrag.

In Kirchenlamnitz

Fazit

Der circa drei Kilometer lange Rundweg ist sehr abwechslungsreich und besonders gut für einen Ausflug mit Kindern geeignet. Er führt an zahlreichen unterschiedlichen Punkten vorbei. Von Steinbrüchen über Rastplätze bis hin zu einer (Raubritter-) Burg ist alles dabei. Auf dem Weg wird es auf keinen Fall langweilig. Aber wir empfehlen auf jeden Fall festes Schuhwerk.

Burg Epprechtstein
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