Ebersdorf – Provinzperle mit Landschaftspark

Oft sind es die kleinen und unbekannteren Orte, die einen absolut begeistern. So ist es uns in Saalburg-Ebersdorf unweit von Bad Lobenstein gegangen. In Ebersdorf kann man durch den idyllischen Landschaftspark entlang der alten Schlossanlagen wandeln.

Der reizvolle Landschaftspark In Ebersdorf – hier ein Blick von der Blutbuche Richtung Teehäuschen

Wie Ebersdorf zur Residenzstadt wurde

Die kleine Stadt Ebersdorf liegt unweit der Bleilochtalsperre und bildet mit dem ca. 10 Kilometer entfernten Saalburg den Stadtverbund Saalburg-Ebersdorf.

Die Erstdatierung des Ortes geht auf das Jahr 1401 zurück. Ebersdorf war damals ein kleines Rittergut mit einem Vorwerk und vier Gehöften. 1425 erwarb Heinrich IX von Gera das Gut und es gelangte in vögtischen Besitz.

Wegweiser im Park

Einige hundert Jahre später entstand 1678 infolge von Erbteilungen im „Reußischen Haus jüngere Linie Reuß-Lobenstein“ die Grafschaft Reuß-Ebersdorf. Der kleine Ort wurde eher zufällig zur Residenzstadt. Warum war das so?

Drei Brüder aus der oben genannten Linie teilten sich die ursprüngliche Grafschaft Reuß-Lobenstein: der Älteste bekam Lobenstein und das dortige Schloss und nannte es weiter Reuß-Lobenstein. Der mittlere Bruder erhielt das Schloss Hirschberg und nannte die Grafschaft Reuß-Hirschberg. Für den jüngsten Sohn blieb nur noch das Rittergut in Ebersdorf. In Ermangelung eines größeres Ortes erwählte er Ebersdorf zur Hauptstadt seiner Grafschaft Reuß-Ebersdorf.

Blick zur Anhöhe mit der Orangerie

Dies blieb Ebersdorf bis zum Jahr 1848. In diesem Jahr kam es zu Unruhen in Ebersdorf. Das Volk forderte mehr Pressefreiheit und eine Volksvertretung. Fürst Heinrich LXXII (75.) war durch seine Volksnähe sehr beliebt. Er zeigte großes Verständnis für die Forderungen. So kam es eher überraschend, dass er abdanke und sich auf ein anderes Familiengut in Sachsen zurückzog.

Blick aus dem Teehäuschen in den Park

Das Schloss Ebersdorf mit seinem großen Landschaftspark

Um ein repräsentativen Heim zu haben, ließ Graf Heinrich X. zu Reuß-Ebersdorf (der jüngste Bruder aus der Erbteilung) von 1692 bis 1694 ein Schlossgebäude auf dem Gebiet des ehemaligen Rittergutes errichten.

Es entstand eine vierflügelige Anlage, die recht schlicht gehalten war, aber auch schmückende Anleihen aus dem Barock enthielt. Im Bezug auf das kleine Fürstentum, das nur über wenige Quadratkilometer reicht, war das Schloss doch recht groß und repräsentativ.

Das Schloss mit der klassizistischen Fassade

Auch wenn die Grafschaft recht klein war, waren ihre Sprößlinge doch politisch überhaupt nicht unbedeutend. Die Tochter von Heinrich XXIV Reuß zu Ebersdorf – Auguste Reuß zu Ebersdorf – heiratet 1777 Franz von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Eines ihrer Kinder war Victoria, die ihrerseits Edward Augustus, Duke of Kent and Strathearn heiratete. Ihre Tochter ist die spätere britische Königin Victoria.

Die Orangerie von Schloss Ebersdorf

In den Jahren 1788 bis 1792 veranlasste Heinrich LI (Heinrich der 51.) einen klassizistischen Umbau des Schlosses. Der ausführende Architekt war der Dresdner Christian Friedrich Schuricht, der dem Süd-Westflügel eine durch Säulen gegliederte Fassade gab.

In diesem Zug gestaltete Schuricht auch den 1710 im französischen Barockstil angelegten kleinen Garten mit Laubengängen um. Der Park wird auf ca. 55 ha erweitert und es wurden tausende von Bäumen gepflanzt. Es entstand eine umfangreiche Sammlung von exotischen Pflanzen und auch Tiere wurden im Park gehalten.

Im Park

Eine schon vorhandene kleine Orangerie wurde 1790 durch einen großen klassizistischen Bau ersetzt. Teichanlagen mit kleinen Teehäuschen ergänzten die Anlage. Die alten Bäume und die Wege, die alleenartig von Bäumen überdacht werden, verströmen auch heute noch einen ganz besonderen Reiz.

Die Wege führen auf verschlungenen Pfaden durch den Park, vorbei an den Teehäuschen, den kleinen Teichen oder auch am Bachlauf der Friesau entlang. Der Park ist ein ruhiger Ort, in dem die vielen Bänke zur Entspannung einladen.

Am Teehäuschen

Plastik von Ernst Barlach im Schlosspark

Besonders unerwartet ist, dass man hier im Park auf die einzige Freilandplastik von Ernst Barlach in Thüringen und dem Vogtland trifft. Heinrich XLV. wollte für seine Eltern und seine Brüder im Park ein Grabmal errichten lassen.

Das Grabmal der Familie Reuß von Ernst Barlach

Er selbst war Dramaturg am Reußischen Theater in Gera und lernte dort Ernst Barlach kennen, dessen Stücke er am Theater aufführte. Er beauftragte ihn 1929 mit der Gestaltung des Grabmals. Mit den „Trauernden“ entstanden herausragende und ausdrucksstarke Figuren, die das Grabmal bis heute prägen.

Die Trauernden am Grabmal – Plastik von Ernst Barlach

Außerdem befindet sich im Park eine 1953 errichtete Schule, die sich bemerkenswert harmonisch in den Park einfügt.

Blick auf den sehr gelungenen Schulbau, der sich harmonisch in den Park einfügt

Leider stehen Schloss und Orangerie heute leer. Zu DDR-Zeiten wurde das Schloss als Pflegeheim genutzt und in der Orangerie befand sich ein Restaurant. Es bleibt zu hoffen, dass sich eine Nachnutzung findet, gerade auch für die Orangerie, die an einem so schönen Platz im Park gerade zu einlädt, einen Kaffee zu genießen.

2021 wird der Landschaftspark zu einem Außenstandort der BUGA in Erfurt. Vielleicht entwickelt sich daraus eine Möglichkeit der Nutzung für die Anlage, die seit 2017 wieder im Besitz von Heinrich XIX Prinz Reuss und dessen Familie ist.

Kunst am (Schul-)Bau

Herrnhuter Colonie in Ebersdorf

Aber Schloss und Park sind nicht die einzigen Besonderheiten in Ebersdorf. Der Ort verfügt über die weitestgehend im Originalzustand erhaltene „Herrnhuter Colonie“.

Das Gemeindehaus der Herrenhuter Brüdergemeinde

Sie ist die Ansiedlung der Herrnhuter Brüdergemeinde in Ebersdorf. Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, der Gründer der Herrnhuter Bruderschaft heiratet eine Reuß. Aus diesem verwandtschaftlichen Verhältnis heraus nahm Heinrich XXIX ab 1732 Emigranten der Brüdergemeinde in Ebersdorf auf. Sie errichteten in unmittelbarer Nähe zum Schloss ihre Gemeinde.

Blick auf das Gemeindehaus vom Zinzendorfplatz aus

Rund um den Gemeindeplatz entstand eine Siedlung mit Gemeindehof, Brüderhaus, Schwesternhaus, Apotheke, Post und noch weiteren Gebäuden. Sie prägten sowohl mit ihren Bauten, als auch mit der sozialen Tätigkeit nachhaltig den Ort.

Noch heute bilden die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude ein beeindruckendes Ensemble. Ergänzt wird es durch ein kleines Häuschen auf dem Zinzendorfplatz. Es wurde 1920 für die Gäste des Ortes als Lesehalle errichtet und ist auch heute wieder ein Lesesaal mit öffentlichem Bücherregal.

Die Lesehalle auf dem Zinzendorfplatz
Lesehalle in Ebrsdorf

Das Schloss Bellevue in der Straßenmitte

Und es gibt noch einen ungewöhnlichen Bau, der hier nicht unerwähnt bleiben soll. Ganz in der Nähe kurz hinter dem Ortsausgang Richtung Schönbrunn befindet sich direkt auf einer Anhöhe umringt von der Hauptstraße das Schloss Bellevue.

Das Schloss Bellevue kurz hinter dem Ortsausgang von Ebersdorf

Es wurde als Lustschlösschen von Heinrich XXXV Reuß zu Ebersdorf im neoklassizistischen Stil erbaut. Mit dem Schlösschen wurde gleichzeitig die Lindenallee, die hier herführt, gepflanzt. Von der Anhöhe hat man eine fantastische Aussicht. Nur leider ist die Straße störend. Sicherlich ein Grund, warum der Pavillon aktuell keine Nutzung hat.

Bis 1839 wurde der Bau als Lustschlösschen genutzt, danach war es für kurze Zeit ein Kursaal für die Kaltwasser-Heilanstalt in Ebersdorf. 1879 wird in den schönen Räumlichkeiten ein Lokal eröffnet und bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts fanden hier Abendveranstaltungen und Konzerte statt.

1927 konnte das Schlösschen nur knapp einem Abriss entgehen. Es galt als Verkehrshindernis und sollte verschwinden. Nur durch Protest von Heinrich XXVII Fürst Reuß j.L. und von einheimischen Denkmalschützern konnte der Abriss verhindert werden.

Blick in den Innenraum von Schloss Bellevue in Ebersdorf

Zu DDR-Zeiten diente das Bellevue als Requistenlager für das Theater von Ebersdorf. Seit dem steht es leer, aber es wurde immerhin von außen saniert. Durch eines der Fenster kann man einen Blick nach innen werfen und man sieht, dass es über die Jahre erstaunlich gut erhalten ist.

Klassizistischen Elemente mischen sich mit Rokokoverzierungen und man kann sich gut vorstellen, wie hier in vornehmen Kleidern getanzt wurde. Vielleicht findet sich auch dafür in Zukunft eine angemessene Nutzung.

Blick von der Straße hinauf zum Schlösschen, das mitten auf der Straße steht

Fazit

Ebersdorf ist eine unerwartet schöne Entdeckung, die mit zahlreichen kleinen Perlen aufwartet. Es lohnt sich immer wieder, abseits der bekannteren Orte halt zu machen. Die romantische Parkanlage und das verwunschene Schloss machen den kleinen Ort zu einem absoluten Geheimtipp.

Idyllische Wege im Landschaftspark am Schloss Ebersdorf

Was es sonst noch in der Nähe von Ebersdorf zu entdecken gibt

  • Nur wenige Kilometer entfernt ist das kleine Städtchen Burgk mit seinem sehenswerten Schloss und dem Saaleturm.
  • Ganz in der Nähe liegt Bad Lobenstein mit der Burgruine, dem Schloss und dem „Fässleseecher“ am Rathaus,
  • Auch nur wenige Kilometer weit weg liegt Schleiz, das zu einem Stadtrundgang einlädt. Besonders sehenswert ist die Bergkirche auf einer kleinen Anhöhe vor der Stadt.

 

Ebersdorf
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  1. Ralph 30. Juni 2019

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