Schloss Thallwitz im Muldentalkreis

Im heutigen Blogpost besuchen wir das Schloss Thallwitz. Thallwitz ist ein kleiner Ort im Muldental zwischen Wurzen und Eilenburg im Nordosten von Leipzig. Lieben Dank an Cindy, die bei ihren Touren Unterwegs im Hinterland das Schloss aufgrund des reußischen Wappens entdeckt hat. Da haben wir uns natürlich auch auf den Weg zu dieser vogtländischen Exklave gemacht. 

Schloss Thallwitz

Die Geschichte von Schloss Thallwitz

Das Schloss wurde ursprünglich 1580 für die Herren von Canitz errichtet. Es entstand ein repräsentativer dreigeschossiger Renaisssancebau mit Volutengiebeln und einem Treppenturm. In den darauffolgenden Jahrhunderten wechselte das Schloss mehrfach die Besitzer, bis es schließlich 1740 in den Besitz der Familie von Hoym kam.

Gotthelf Adolph von Hoym war der letzte männliche Vertreter seiner Linie. Seine Tochter Luise war Alleinerbin und durch ihre Heirat mit Heinrich LI. Reuß-Ebersdorf im Jahr 1791 ging das Schloss in reußischen Besitz über. Allerdings dient es ab dieser Zeit nicht mehr als Wohnschloss, da beide in Ebersdorf wohnten.

1882 ließ Heinrich XIV. Schloss Thallwitz zu einem Jagdschloss umbauen. Er beauftragte der Architekten Arwed Rossbach, der neben zahlreichen Bauten in Leipzig zum Beispiel auch das Theater in Plauen baute. Das Schloss bekam einen zusätzlichen Flügel im Stil der Neorenaissance.

1942 überließ Heinrich XLV. Reuß j.L. (er war Dramaturg am Theater in Gera) das Schloss Wolfgang Rosenthal, damit dieser seine Klinik für plastische und wiederherstellende Kiefer- und Gesichtschirurgie von Leipzig nach Thallwitz verlegen konnte. Seine Büste befindet sich noch heute im angrenzenden Park.

Die Klinik hatte im In- und Ausland einen sehr guten Ruf und überstand auch die sozialistischen Zeiten. Nachdem die Klinik ab 1990 mit Millionenaufwand saniert wurde, wurde sie im Jahr 1994 geschlossen. Seit dem stehen die Gebäude leer und zumindest die Nebengebäude sind in einem bedauernswerten Zustand.

Büste von Prof. Dr. Wolfgang Rosenthal

Heinrich XLV. Reuß j.L. war kinderlos, adoptierte aber Heinrich I. aus der apanagierten Nebenlinie Reuß-Köstritz, um die Erbfolge aufrechtzuerhalten. Seine Witwe Woizlawa-Feodora Prinzessin von Reuß führte einige spektakuläre Restituierungsprozesse mit wechselnden Erfolgen. Schloss Thallwitz bekam sie im Jahre 2008 rückübertragen.

Der heutige Zustand des Schlosses

Seit dem ist im Schloss nicht viel passiert. Die Schönheit des Gartens lässt sich nur noch erahnen. Hinter dem Schloss führt eine Treppenanlage zur Hauptallee des Parks, die eine Kaskade umschließt. Der Park führt direkt in das angrenzende Waldstück und lädt auch heute noch zu einem Spaziergang ein.

Im Park des Schlosses

Leider lässt sich die ursprüngliche Pracht des Gartens nur noch erahnen. Und billige Gipsfiguren und Blumenkübel vom Baumarkt, die an der Kaskade stehen, verschlimmern den den Anblick zudem. Es drängt sich dem Besucher förmlich die Frage auf, warum man Schlösser zurückfordert, wenn man sich dann nicht darum kümmert.

An den Kaskaden ohne Wasser

Adelswappen anno 2019

Aber das beste Detail kommt zum Schluss Ich hatte schon eingangs erwähnt, das Cindy das Schloss am Wappen erkannt hat. In der Tat, an den Türen findet man das reußische Wappen. Allerdings etwas anders, als man es vermutlich erwarten würde. Es ist kopiert, sowohl bunt als auch schwarz-weiß, und in einer Plastikfolie im Türbereich angeheftet. Es ist so skurril, das man es gar nicht glaubt, aber es hängt wahrhaftig so dort.

Fazit

Nichtsdestotrotz lädt das Schloss in Thallwitz zu einem Besuch ein, gerade an warmen Tagen spendet der Weg durch Park und Wald eine angenehme Kühle. Die sanierten Teile des Schlosses sind schön anzusehen und durch den Park kann man herrlich spazieren.

Die Thallwitzer Kirche und was es hier sonst noch zu entdecken gibt

Schloss Thallwitz
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