Eine nostalgische Bahnfahrt mit der Wisentatalbahn

Schon seit je her bin ich gern mit der Bahn unterwegs. Ich mag es, beim gemütlichen Ruckeln die Gedanken schweifen zu lassen und die Umgebung an mir vorbeiziehen zu lassen. Und besonders schön sind Fahrten mit nostalgischen Bahnen, bei denen die Reise zum Ziel wird. Schon lange stand ein Ausflug mit der Wisentatalbahn von Schönberg nach Schleiz und wieder zurück auf unserem Programm. Nun war es endlich soweit.

Die Wisentatalbahn

Ausflug mit der Wisentatalbahn von Sachsen nach Thüringen und wieder zurück

Die Bahnstrecke von Schönberg nach Schleiz verbindet seit 1887 Sachsen und Thüringen (bzw. zu Zeiten des Baus der Linie Sachsen und das Fürstentum Reuß) miteinander. Die circa 15 Kilometer lange Strecke wurde bis zum Jahr 2006 betrieben. Bereits im Mai 2007 gründete sich der Förderverein Wisentatalbahn, der schon wenige Wochen später eine erste Fahrt durchführte.

Blick auf den Bahnhof in Schönberg vom Zug aus

Seit dem Jahr 2011 gibt es ganzjährig Fahrten an ausgewählten Tagen zwischen den beiden Orten im Zweistundentakt. Den genauen Fahrplan und die Fahrttage finden Sie auf der Homepage der Wisentatalbahn. Die Abfahrtszeiten sind sehr gut an den Regionalverkehr getaktet, sodass sie den Bahnhof in Schönberg gut von Leipzig, Gera, Plauen oder Hof erreichen können.

Blick in den Schienenbus

Auf dem Schienenbus durchs Wisentatal

Seit 2014 fahren auf der schönen Strecke durch das Wisentatal Schienenbusse. Sie waren ab den 60er Jahren für den Einsatz auf den Nebenstrecken gedacht. Gebaut wurde der Schienenbus von der Uerdinger Waggonfabrik und war ein wahrer Exportschlager.

Bitte Einsteigen!

In der DDR wurde ein ganz ähnliches Zugmodell vom Waggonbau Bautzen entwickelt. Ziel war es, mit den Schienenbussen den Verkehr auf den Nebenstrecken rationaler zu gestalten. Ein umständliches Umsetzen entfiel, da die Züge von beiden Seiten befahren werden konnten. Damals noch nicht selbstverständlich. Außerdem brauchte man nicht soviel Personal wie in normalen Zügen. Zudem wurden viele Elemente dem Omnisbusbau entliehen. Es war nicht nur kostengünstig, sondern auch pflegeleicht. Zur Reparatur reicht oft ein KFZ-Mechaniker.

Ganz nah beim Zugführer

Viele kennen die Schienenbusse sicherlich noch unter den Spitznamen Sandmännchenzug oder Ferkeltaxi. Ich war schon als Kind ganz begeistert vom schönen Sandmännchenzug – da war die Fahrt mit der Wisentatalbahn durchs Vogtland ein unbedingtes Muß.

Ganz viel Nostalgie im Zug

Entlang der Wisenta nach Schleiz

Aber nun geht es los mit unserer Fahrt. Als wir am Bahnhof in Schönberg ankommen, steht die kleine Bahn schon da und wartet auf uns. Obwohl es den ganzen Tag genieselt hat und wir es erst zur letzten Fahrt nach Schleiz geschafft haben, war der Zug gut gefüllt. Und im Gegensatz zu draußen war es im Zug gemütlich und warm.

Blick aus dem Fenster

Außerdem wartet im Zug ein kleiner Imbiss auf die Reisenden, der von den ehrenamtlichen Mitgliedern des Vereins angeboten wird. Belegte Brötchen und selbstgebackener Kuchen, Kaffee, Bier, alkoholfreies uns sogar ein Piccolo stehen zur Auswahl bereit. Wo gibt es das sonst noch?

Imbiss während der Fahrt

Nachdem der Zug gestartet ist, bekommen wir vom Schaffner unsere Fahrtkarten, die er noch von Hand ausstellt. Der kleine Schienenbus tuckert mit gemütlichen 30 km/h durch das Wisentatal. So bleibt genug Zeit, um die Aussicht zu genießen.

Hier wird die Fahrkarte noch von Hand ausgestellt

Wir fahren hauptsächlich entlang von Wiesen und Wäldern. Kurz vor Mühltroff lässt sich ein Blick auf das Schloss erhaschen. Kurz danach überqueren wir die Landesgrenze zwischen Sachsen und Thüringen.

Vorbei an Wiesen und Wäldern

Besonders schön ist der Ausblick auf die Westseite der Talsperre Lössau. Mit einem Blick auf Schleiz erreichen wir nach ca. 45 Minuten Fahrtzeit den Bahnhof Schleiz /West. Von hier aus kann man entweder einen Ausflug in die Stadt unternehmen oder wie wir, den kurzen Aufenthalt von 15 Minuten für Fotos nutzen und gleich wieder zurückfahren.

kurzer Aufenthalt in Schleiz West

Jetzt können wir im Zug eine weitere Besonderheit ausprobieren: Die für diese Baureihen charakteristischen Klapplehnen. So kann jeder Gast immer in Fahrtrichtung sitzen. Durch einfaches Umklappen der Lehne verändert sich der Sitz. Generell zeichnet sich der Zug durch einen großen Komfort aus. Das hätte ich so nicht erwartet, war er doch eher für die kleinen Nebenstrecken gedacht.

Die Sitze können immer auch in Fahrtrichtung ausgerichtet werden

Wir freuen uns sehr, dass das Angebot der Wisentatalbahn so gut angenommen wird, immerhin zählte man im Jahr 2018 gut 7.000 Fahrgäste. Denn so schön, wie die nostalgische Fahrt mit dem Schienenbus auch ist, für den Verein steckt eine Menge Arbeit dahinter. Denn nicht nur an den Schienenbussen wird fast täglich im Lokschuppen in Schleiz gearbeitet, auch die Strecke muss erhalten und instandgesetzt werden. Aber es lohnt sich sehr. Überzeugen Sie sich doch einmal selbst bei einer Fahrt mit der Wisentatalbahn davon.

wieder zurück in Schönberg

Ausflugsziele in der Nähe

 

  • Im Schleiz können sie im Rutheneum das Museum besichtigen, dessen Schwerpunkt auf dem Wirken von Konrad Duden liegt. Sehenswert ist außerdem die Bergkirche, die Innenstadt und die Ruine des Schlosses.
  • Nur wenige Kilometer von Schleiz entfernt liegt Burgk mit dem sehenswerten Schloss und dem Saaleturm.
  • Vom Bahnhof Schleiz West verkehren außerdem Busse nach Saalburg zur Bleilochtalsperre.
Blick auf Schleiz

 

Transparenzhinweis: Wir haben unsere Fahrtkarte selbst bezahlt und schreiben aus reiner Freude über die schöne Fahrt einen Artikel. Vielen Dank an Herrn Schorn, unseren Schaffner und gleichzeitig Vorsitzender des Fördervereins, der sich auf der Rückfahrt die Zeit für unsere ganzen Fragen genommen hat.

 

Wisentatalbahn
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