Ein Nachmittag im Museum Bayerisches Vogtland in Hof

Stadt- und Regionalmuseen sind für mich immer ein schönes Ausflugsziel. Durch viel Engagement entstehen liebevolle Ausstellungen die mit Lokalkolorit über verschiedene Themen berichten. Sie geben einem wunderbaren Einblick in die jeweilige Stadtgeschichte. So auch das Museum Bayerisches Vogtland in Hof, das wir heute besuchen.

Willkommen im Museum Bayerisches Vogtland in Hof

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Das Museum Bayerisches Vogtland in Hof

Das Museum Bayerisches Vogtland befindet sich unweit der Innenstadt im Hospitalgebäude, dessen Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen.

Der ehemalige Eingang im Innenbereich des Hospitalgebäudes

Schon von Außen waren wir von der Größe des Museums überrascht. Ich muss gestehen, dass ich beim Namen Museum Bayerisches Vogtland eher an ein kleines Heimatmuseum zur Regionalgeschichte gedacht habe. Zwar spielt sie auch hier eine große Rolle, aber es gibt weit mehr zu entdecken.

Die Stadtgeschichte von Hof bildet einen von mehreren interessanten Punkten

Das Museum gliedert sich in drei große Abschnitte: Die Geschichte und die Entwicklung der Stadt, eine naturkundliche Sammlung sowie eine umfangreiche Ausstellung zum Thema Flucht und Vertreibung. Die Ausstellungen sind traktweise aufgebaut, sodass wir dreimal jeweils von unten nach oben die Ausstellungen begehen konnten.

Stadtgeschichte

Begonnen haben wir unseren Rundgang mit der Stadtgeschichte im unteren Gewölbekeller. Von der Frühzeit bis zur Wendezeit finden sich zahlreiche Exponate, die die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt verdeutlichen. Ein Wasserspeier, der das ehemalige Schloss zierte ist ebenso zu sehen wie das Vorderteil eines Trabis im typischen hellblau, der die Wende symbolisiert und der an die 100 DM Begrüßungsgeld erinnert. Denn Hof war damals einer der beliebtesten Anlaufpunkte für den ersten Besuch im Westteil Deutschlands.

Im Gewölbekeller

Vom Leben und Arbeiten in Hof

Die erste und zweite Etage lassen sich kurz mit Leben und Arbeiten in Hof überschreiben.

Wohnen in Hof

Bäuerliche und bürgerliche Wohnkultur finden in der ersten Etage ihren Raum. Neben nachgestellten Zimmern finden sich zahlreiche Gebrauchsgegenstände und auch Öfen, die aus alten Häusern gerettet wurden.

Blick in die erste Etage

Auch in diesen Bereich fließt immer wieder Lokalkolorit ein. So werden in der Ofenecke besonders auch die Öfen der Firma Summa vorgestellt, die Ihren Sitz in Schwarzenbach bei Hof hatte. Wie es im Begleittext heißt, war die Firma zwar unternehmerisch nicht unbedingt erfolgreich, dafür aber bei den technischen Innovationen ganz vorn dabei.

Ofen von Summa

Die erste Etage ist außerdem geprägt durch zahlreiche Maschinen aus dem Bereich der Textilherstellung.

Hof als Textilstadt

Sie weisen auf die große Tradition der Stadt als Textilstandort hin. Nicht umsonst hieß Hof die Stadt der Spindeln.

Textile Tradition in Hof auf einer Postkarte

Die zweite Etage ist geprägt durch ein großes Klassenzimmer mit Schiefertafel und Schulbänken. Man fühlt sich ein wenig wie beim fliegenden Klassenzimmer.

Setzen! 5!

Außerdem bekommt man im Obergeschoss einen guten Einblick in das Handwerk während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Blick in eine Schuhmacherwerkstatt

Hier stehen der komplette Nachbau einer Schuhmacherwerkstatt sowie einer Bürstenmacherei. Die Werkstatt des letzten Bürstenmachers in Hof wurde in den 40er Jahren geschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden in der Bürgerstraße 1 in Hof von Familie Siegwart Bürsten gefertigt. Heute können Sie die originale Ausstattung im Museum Bayerisches Vogtland bewundern.

Blick in die Bürstenmacherei

Ergänzt wird der Raum mit weiteren Handwerken, die in Hof ansässig waren.

Brauereien in Hof

Natürlich gab es Brauereien und Schnapsbrennereien, aber auch die Porzellanherstellung hatte hier Tradition. Bis 1957 wurde in Moschendorf bei Hof unter anderem die bekannte Serie Indischblau mit dem Strohhalmmuster gefertigt.

Porzellan au Hof

Blick auf die heimische Tierwelt

Der zweite große Bereich widmet sich der großen Vielfalt in der Natur. Fast alles, was in Europa kreucht und fleucht ist hier ausgestellt.

Es ist eine der vollständigsten Sammlungen der heimischen Tierwelt, die entweder in Dioramen oder Einzelobjekten zu sehen sind. Für Kinder gibt es hier unter anderem eine Fühlstation für spannende Entdeckungen.

Die heimische Tierwelt

Flucht und Vertreibung

Der neueste Trakt des Museums wurde 2012 eröffnet und befasst sich mit der Geschichte der Flüchtlinge und Vertriebenen zum Ende des zweiten Weltkrieges. In Moschendorf bei Hof befand sich das größte bayerische Flüchtlingslager. Auf wiederum drei Etagen wird das Leben der Flüchtlinge anschaulich verdeutlicht. Für mehr als zwei Millionen Flüchtlinge war Hof der erste Anlaufpunkt. 15.000 blieben dauerhaft hier. Das alles wurde gestemmt, obwohl die Stadt selbst schwere Kriegsschäden aufwies und aufgrund der Industrialisierung oft nur recht kleine Wohnungen zur Verfügung standen. Sehr anschaulich werden die beschwerliche Flucht und das Ankommen in Hof beschrieben. Einer kleiner Kinderwagen und ein Pelzmäntelchen sind Zeugen der Flucht im kalten Winter 1945.

Der einzige Schutz vor der Kälte im Fluchtwinter 1945

Eine Nachbildung eines 16m² kleinen Raumes auf einem Bauernhof, in dem zwei geflüchtete Schwestern bis 1969 wohnten, verdeutlicht, unter welch kargen und schwierigen Bedingungen man hier lebte.

Leben auf 16m²

Persönliche Lebenswege und Geschichten stehen im Museum im Mittelpunkt und veranschaulichen die Flucht, aber auch das Ankommen und die Integration in der neuen Heimat. Die persönliche Geschichte wird in Beziehung zur Stadt Hof gesetzt. So erfahren wir zum Beispiel die Geschichte eines in Hof ansässigen Cafés oder der Likörfabrik Richter, die früher in Hranice beheimatet war.

Persönliche Schicksale spielen in der Ausstellung eine große Rolle

Die Ausstellung verdeutlicht mit den privaten Einblicken, wie sehr die mitgebrachten Fähigkeiten und Traditionen die Entwicklung in der Nachkriegszeit geprägt haben

Die Farbgestaltung der Ausstellung ist sehr eindringlich – schwarze Wände verdeutlichen die schweren Zeiten der Flucht, grau das Ankommen und weiße helle Wände stehen für die späteren Zeiten der Integration und der Erinnerungskultur.

Und sonst noch

In einem Nebengebäude befindet sich die städtische Kunstsammlung, die hauptsächlich Werke des Hofer Malers Johann Christian Reinhart im gleichnamigen Reinhart-Cabinett präsentiert. In wechselnden Ausstellungen werden Werke heimischer Maler, Grafiker und bildender Künstler präsentiert. Leider haben wir diesen Bereich nicht noch geschafft. Das heben wir uns für einen weiteren Besuch auf.

Einer der Öfen, die vor dem Abriss gerettet worden

Fazit

Das Museum Bayerisches Vogtland in Hof bietet vielfältige Ausstellungen zu verschiedensten Themen. Sicherlich gefällt nicht jedem immer alles. Uns hat es im Museum auf jeden Fall sehr gefallen. Es gibt so viel zu entdecken, dass wir es gar nicht auf einmal geschafft haben. Durch seine Vielfalt ist es besonders auch für Kinder sehr gut geeignet. An jeder Ecke gibt es etwas Neues zu sehen.

Waschtag im Museum

Wir hatten einen sehr schönen Nachmittag im Museum und den werden Sie bestimmt auch haben.

  • Museum Bayerisches Vogtland in Hof
  • Sigmundsgraben 6
  • Informationen und Öffnungszeiten finden Sie auf der Homepage des Museums
Noch ein Blick in den Innenhof des Hospitalgebäudes

 

Weitere Tipps zu Hof gibt es HIER

 

Transparenzhinweis: Wir durften das Museum kostenfrei besuchen. Dafür bedanken wir uns beim Museum Bayerisches Vogtland in Hof ganz herzlich. Es war ein wundervoller Besuch im Museum. Unser Beitrag spiegelt natürlich nur unsere Meinung wieder und wurde in keiner Weise beeinflusst.

 

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