Burg Posterstein – eine Burg wie aus dem Märchen

Wenn man von Gera Richtung Osten auf der A4 unterwegs ist, erblickt man rechterhand den Bergfried von Burg Posterstein. Oft sind wir schon daran vorbeigefahren. Aber nun hat es endlich mit einem Besuch geklappt. Folgen Sie uns auf den Spuren der Reußen ins Altenburger Land auf die Burg Posterstein.

Ausflug zur Burg Posterstein

Die Geschichte der Burg Posterstein

Die kleine Burg zwischen Gera und Altenburg blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis ins Mittelalter reicht. Burg Posterstein erlebte alles in allem zahlreiche Herren und hatte eine wechselvolle Geschichte. Alle zu nennen füllt ein ganzes Buch, deshalb seinen hier nur die wichtigsten Stationen erwähnt.

Herbstlicher Blick auf die Burg

Die Geschichte der Burg geht bis auf die Zeit Barbarossas zurück. Barbarossa versuchte die Macht in den neugewonnen Gebieten zu sichern, in dem er seine unfreien Dienstmannen – die Ministerialen – zu Rittern erhob. Sie sollten die Neubesiedlung der erkämpften Gebiete leiten, die slawischen Einflüsse zurückdrängen und das Land vor Feinden schützen. So entstanden im 12./13.Jahrhundert im Pleißenland zahlreiche kleine Befestigungen. Die Entstehung der Burg Posterstein fällt genau in diese Zeit. In der ersten urkundlichen Erwähnung 1191 werden als erste Besitzer Gerhardus de Nubudiz (von Nöbdenitz) und seine Mutter Mechthilde de Steinne genannt. Die mittelalterliche Burg wurde als Befestigungsanlage auf einem Felsvorsprung an der Sprotte, einem Nebenarm der Pleiße, errichtet. Sie wurde damals unter dem Namen Stein geführt.

Aufstieg auf den Turm

 

Ungefähr aus dieser Zeit stammen die noch erhaltenen Ringmauern und er Bergfried. Der Rest der Burg wurde später im Renaissancestil überbaut.

Warum gehört Burg Posterstein zum Vogtland?

Ende des 13. Jahrhundert gewannen die Reußen immer weiter an Macht und drangen bis in das Gebiet der Pleiße vor. Burg (Poster-) Stein wurden Reichslehnen der Vögte von Weida und später der Vögte von Plauen. Nach der Trennung in Reuß ältere und jüngere Linie im Jahre 1305 verblieb die Burg unter der Herrschaft der jüngeren Linie aus Greiz.

Blick vom Turm

Im 14. Jahrhundert bauten die wettinischen Markgrafen zu Meißen ihre Macht immer weiter aus und in Altenburg entstand ein Amt zur Sicherung des Landesausbaus der Wettiner. Allerdings konnte Burg Posterstein nicht eingenommen werden, auch wenn jahrelang ein erbitterter Streit geführt wurde. Als Schutz gegen die Wettiner gaben die Reußen Posterstein dem König von Böhmen als Lehen. Auch wenn in der Zeit des Vogtländischen Krieges (1354-1359) große Teile des Gutes Posterstein in wettiner Hände fiel – Burg Posterstein selbst blieb reußisch und war bis ins 18. Jahrhundert lehenspflichtig.

Der Weg zum Turm

Wie die Burg zum endgültigen Namen kam

1422 kaufte Nickel Puster die Burg. Seine Familie wird im Altenburger Register unter „Familie Puster zum Stein“ geführt. Zu dieser Zeit hat die Burg zahlreiche Umbauten erfahren und wurde von einer Wehranlage zur Wohnburg umgebaut.

Auch wenn Burg Posterstein noch bis ins 16. Jahrhundert nur Stein hieß, verdankt sie doch dieser Familie ihren Namen. Aus Puster zum Stein wurde Posterstein.

Renaisssance trifft Mittelalter

Ihren Renaissancestil erhielt Burg Posterstein, als Familie Pflugk die Burg 1528 übernahm. In dieser Bauphase fällt unter anderem die Entstehung des Wendelstein 1575. Die nächsten großen Umbauten erfolgten zwischen 1684 und 1701 – der Stil des Barock hielt besonders im Inneren Einzug.

Salonkultur

Familie Hermann war ab 1833 der letzte Eigentümer. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Burg allerdings nicht mehr zu Wohnzwecken genutzt und wenige Jahre später wurde Posterstein zum wichtigsten Saatzucht und Mustergut im Thüringer Raum. Auch das ging nicht ohne größere Umbauten von statten. Rudolf Ditzen, der später unter dem Namen Hans Fallada berühmt werden sollte, absolvierte hier ab 1913 eine Lehre. Kurz zuvor war er in die psychiatrische Klinik im nahen Schloss Tannenfeld eingewiesen worden.

Leben auf dem Schloss

Im Zuge der Bodenreform 1946 wurde das Gut enteignet und innerhalb kürzester Zeit aufgeteilt. Auch diese Veränderung hatten zahlreiche Umbauten zur Folge. Scheune und Kuhstall wurden abgerissen und Neubauerngehöfte errichtet. Das Herrenhaus wurde ab 1956 zum Kinderheim.

Ein Museum hält Einzug

Ab 1952 zog auch wieder Leben in die Burg ein: das neu gegründete kulturhistorische Museum nutzte die Räume für Ausstellungen. Man sicherte zwar die Bausubstanz, ohne aber wirklich die Schäden zu beseitigen. Durch undichte Dächer drang zunehmend Wasser. Die Burg verfiel zusehends und musste 1977 geschlossen werden. Von 1981 bis 1991 wurde die Burg umfassend saniert und begrüßt seit dem die Gäste in ihren geschichtsträchtigen Gemäuern.

Die Altenburger Tracht – Teil der Regionalgeschichte
Noch ein Blick auf die Altenburger Tracht

Die Dauerausstellung gibt Einblicke in die regionale Geschichte, in die Geschichte der Burg und ihrer Herren sowie in die Salonkultur des frühen 19. Jahrhunderts.

Einblick in das Leben zur Zeit der Salonkultur

Dieser Teil der Ausstellung widmet sich insbesondere der Salonkultur der Herzogin Anna Dorothea von Kurland, die im benachbarten Löbichau sowie in Tannenfeld Schlösser bauen lies. Beide zusammen bilden den Musenhof Löbichau. Der Salon der Herzogin war einer der interessantesten seiner Art in Europa. Die Herzogin zog so illustre Gäste aus Politik und Kultur wie Zar Alexander I., Talleyrand-Périgord, Napoleon, Metternich, Goethe, Schiller und Jean Paul, dem vor der Burg eine Litfaßsäule gewidmet wurde, an.

Blick auf die Litfaßsäule zu Ehren Jean Pauls

Zur Burg gehören noch das Verlies und der Turm, die beide besichtigt werden können. Von der Plattform des Turmes hat man bei jedem Wetter einen schönen Ausblick über das Altenburger Land. Wechselnde Sonderausstellungen ergänzen das Angebot auf Burg Posterstein.

Blick vom Turm

Eine besondere Erwähnung ist die Kinderburg wert. Dahinter verbirgt sich ein recht einmaliges Konzept für die ganze Familie. Auf verschiedenen Stationen können Kinder auf spielerische Art und Weise das Leben auf der Burg entdecken und eine Menge über das Leben als Ritter oder Burgdame lernen.

Wie schwer ist ein Kettenhemd?
Die wichtigste aller Fragen: Wie pullert ein Ritter in der Rüstung?

Nachdem Besuch der Burg könne Sie noch durch den angeschlossen Park wandeln oder einen Ausflug ins Nahe gelegene Tannenfeld unternehmen. Während das Schloss Tannenfeld und die angeschlossenen Häuser einen morbiden Charme verströmen, lädt der Park zum Flanieren ein.

An die Burg schließt sich direkt der Park an

Burg Posterstein ist auf jeden Fall ein lohnenswertes Ausflugsziel für die ganze Familie. Nähere Informationen zu den Öffnungszeiten und den aktuellen Sonderausstellungen finden Sie auf der Homepage der Burg.

 

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