Kapelle Santa Clara und das Rittergut – Unterwegs in Heinersgrün

Im heutigen Blogpost unternehmen wir einen Ausflug in das idyllisch gelegene Heinersgrün mit Rittergut und Kirche. Schon von der Autobahn A72 kann man den prägnanten Bau der Santa Clara Kapelle sehen.

Wenn man die Kapelle Santa Clara auf dem Hügel sieht, weiß man, dass man entweder in Sachsen angekommen ist, oder Sachsen gerade Richtung Bayern verlässt.  Oft sind wir nur daran vorbeigefahren, aber nun statten wir dem kleinen Ort einen Besuch ab.

Die kleine Kapelle Santa Clara in Heinersgrün

Heinersgrün

Heinersgrün blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits 1296 wird es erstmalig urkundlich erwähnt. Damals noch unter dem Namen Heinrichsgrune – also die Rodesiedlung eines Heinrichs (Anm.: Heinrich ist der Vorname aller Linien der Vögte).

Den abgewandelten Namen Heinersgrün trägt das Dorf erst seit 1817.

Blick zum Rittergut Heinersgrün von der Kapelle aus

Die erste Nennung erfolgt im Bobenneukirchener Vertrag (1296). Hierin regelten die Vögte von Plauen, Gera und Weida ihre jeweiligen Rechte: Der Vertrag gilt als Meilenstein beim Abstecken des damaligen Herrschaftsgebietes unter den Vögten.

Während der deutschen Teilung lag Heinersgrün wegen der Nähe zu Bayern im Sperrgebiet und war für Nichtanwohner unzugänglich, heute gehört es – am Grünen Band gelegen – zur Gemeinde Weischlitz im Vogtlandkreis.

Das Rittergut in Heinersgrün

Nur wenige Jahre nach der Ersterwähnung, übernimmt um 1330 die Adelsfamilie derer von Feilitzsch Heinersgrün. Genauere Daten sind nicht überliefert. 1412 gibt es eine erste Datierung des Vorwerks Markusgrün und ca. 130 Jahre später wird ein Rittergut in Heinersgrün verzeichnet.

Blick zum Rittergut

Auf dieses Datum geht auch der Ursprungsbau zurück. Es entstand ein rechteckiger Bau, der von seinen seitlichen Türmen geprägt ist. Aufgrund seiner Größe erhielt das Rittergut im Stil der Renaissance den Beinamen Schloss.

Und in der Tat mutet es eher wie ein Schloss an. Wir waren von der Größe des Ritterguts sehr beeindruckt und hätten einen solchen Bau hier nicht vermutet.

Das Rittergut ist geprägt durch die Türme

Im 18. Jahrhundert gelangte das Rittergut Heinersgrün für ca. 80 Jahre  in den Besitz der Familie Pölnitz, wurde aber von der Familie Feilitzsch 1785 wieder zurückgekauft. In deren Besitz war das Rittergut bis zum Jahr 1936.

Wiederaufbau des Ritterguts Heinersgrün

1920 brannte es im nebenan gelegenen Stall. Das Feuer griff auf das Haus über und zerstörte es vollständig.  Der damalige Besitzer Philipp Freiherr von Feilitzsch lies es 1921 in leicht veränderter Form wieder aufbauen. Statt einem rechteckigen Grundriss wurde es quadratisch aufgebaut und wirkte nun wuchtiger.

Sonnenuntergang am Rittergut

Familie Feilitzsch verkaufte das Anwesen 1936 an Achaz von Zehmen, der das Rittergut bis 1942 bewirtschaftete. Das dazugehörige Vorwerk und Waldgut Markusgrün blieb im Besitz der Familie Feilitzsch.

Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden beide enteignet. Ungefähr ein Jahr lang wurde es von der Roten Armee als Versorgungsgut genutzt. Doch recht schnell wurde das Schloss von Neubauern und Umsiedlern bewohnt.

Blick auf die seitliche Seite

1948 wurde es von der Landesbodenkommission an den FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) gegeben und ab 1950 wurde im Haus ein Kommando der Grenztruppen untergebracht.

Ab 1972 zogen friedliche Zeiten ins Schloss ein – es wurde der Gemeinde übertragen. Nun hatte das ehemalige Schloss zeitgleich verschiedenste Funktionen. Es war Gemeindeamt, Post, Bücherei, es gab hier einen Konsum und eine Gaststätte.

Vom Schloss Heinersgrün hat man schon die Kapelle im Blick

1982 entstanden in den Mansardengeschossen Wohnungen. Seit 1996 ist das Schloss in Privatbesitz und es wird zu Wohnzwecken genutzt.

Es ist ein sehr schöner Bau am Rande von Heinersgrün, der auf jeden Fall schon durch seine Größe fasziniert. Und es ist ein perfekter Ausgangspunkt für einen Spaziergang zur Kapelle Santa Clara.

Auf dem Weg vom Rittergut zur Kapelle Santa Clara

Wenige Meter hinter dem Teich führt ein Weg bergan zur Kapelle.

Die Kapelle Santa Clara in Heinersgrün auf dem Kapellenberg

Schon vom Rittergut Heinersgrün hat man die kleine Kapelle im Blick, die gegenüber auf dem 540 Meter hohen Kapellenberg steht. Ähnlich wie beim Rittergut sind auch hier nur wenige Daten bekannt.

Die Kapelle wurde im 12./ 13. Jahrhundert durch die Nonnen des Klarissinnenklosters in Hof errichtet, die über große finanzielle Mittel verfügten. Auf sie geht auch der Name der Kapelle Santa Clara zurück.

Die kleine Kapelle diente ihnen als lokale Pilger- und Wallfahrtsstätte. Die bayerischen Wurzeln der Kapelle lassen sich gut an der für Bayern typischen zwiebelförmigen Kuppeln erkennen.

Ein wunderbares Ausflugsziel – die Kapelle in Heinersgrün

Seit 1529 gehört die Kapelle zum Rittergut und diente als Begräbnisstätte der Familie v. Feilitzsch. Um 1740 wurde die Kapelle erneuert. Ihre Einrichtung und Ausstattung ist schlicht gehalten.

Fantastischer Ausblick ins Vogtland

Malerisch steht die kleine Kapelle auf dem Hügel und nur ein kleiner steiler Weg führt zu ihr nach oben. Der Aufstieg und die Lage macht die Kapelle im Vogtland ziemlich einzigartig.

Sonnenuntergang an der Kapelle

Die Kapelle in Heinersgrün ist ein beliebtes Wanderziel. Denn von hier aus hat man einen wunderbaren Blick. Gerade bei Sonnenauf- oder untergang, wenn die Sonne die Landschaft in ein schönes Licht taucht, meint man, in einem Gemälde zu sein.

Der Rundumblick hier oben ist unbeschreiblich schön. Man beispielsweise den Kamm des Oberens Vogtlands und Schöneck. Auf der kleinen Bank an der Kapelle kann man durchaus die Zeit vergessen. Von hier aus hat man auch einen wunderbaren Blick auf das direkt gegenüber liegende Schloss.

Sehr idyllisch gelegen – die Kapelle in Heinersgrün

Wer die Kapelle von innen sehen möchte, kann sich beim Schmied Reiner Thiele, direkt am Anfang des Aufstiegs (von Süden) die Schlüssel zur Kapelle abholen.

Fensterdetails

Die Kapelle Santa Clara und das Rittergut Heinersgrün sind auf jeden Fall einen Ausflug wert. Bei unserem Besuch ging gerade die Sonne unter, einen besseren Zeitpunkt hätte wir nicht wählen können.

In der Nähe

  • Unweit  von Heinersgrün, auf der anderen Seite der Autobahn befindet sich ein anderes Stück deutsche Geschichte – hier steht auf einem Feld ein Grenzturm. Besprayt und nicht zugänglich, aber trotzdem ist er ein interessantes Gebäude.
Der ehemalige Grenzturm in der Nähe von Heinersgrün
  • Heinersgrün liegt im Landschaftsschutzgebiet der Talsperre Dröda. Zu ganz besonderen Tagen (z. B. Tag des Wassers) hat man die Möglichkeit, die Talsperre von innen zu sehen oder auf der Krone entlangzulaufen. Sonst ist dies aufgrund der Trinkwassergewinnung nicht möglich.
Drei Kreuze direkt neben der Kapelle

 

Kapelle Santa Clara und das Rittergut in Heinersgrün
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