Kunst am Bau, die keinen Bau mehr hat

In Löbichau bei Ronneburg steht eines der größten freistehenden Kunstwerke, dass der Kunst am Bau der DDR entstammt. Es ist das Standbild Die friedliche Nutzung der Kernenergie von Werner Petzold. Was es damit auf sich hat, erläutern wir im Blogpost.

Die friedliche Nutzung der Kernenergie von Werner Petzold - Kunst am Bau DDR
„Die friedliche Nutzung der Kernenergie“ von Werner Petzold

Kunst am Bau der DDR

Architekturbezogene bzw. baubezogene Kunst prägt zahlreiche Bauten im Osten des Landes. Laut Kulturverordnung aus dem Jahr 1952 sollten ein bis zwei Prozent (später verringerte sich der Betrag auf 0,5%) der Bausumme für Verwaltung-, Kultur- und Sozialbauten für die künstlerische Gestaltung verwandt werden. Man nahm dabei ein Gesetz aus dem Jahr 1928 zur Vorlage. Schon in der Weimarer Republik schrieb man vor, das ein bestimmter Prozentsatz der Bausumme in Kunst zu investieren ist. Aber baubezogene Kunst ist ein weit gefasster Rahmen, der vielleicht auch nicht immer als Kunst gedeutet wird, denn es entstanden nicht nur Kunstwerke an Gebäuden, sondern auch Formsteinwände, Brunnen, Spielplatzplastiken oder Leuchtwerbung und vieles mehr. Mit dem Verschwinden zahlreicher Gebäude der Ostmoderne, verschwand auch die an ihnen befindliche Kunst. Doch einige Kunstwerke konnten gerettet werden und erleben heute eine Renaissance.

Die friedliche Nutzung der Kernenergie von Werner Petzold
Kunst ohne Bau

„Die friedliche Nutzung der Kernenergie“ von Werner Petzold

Eines davon steht zwischen Löbichau und Beerwalde. Es ist mit 12×16 Meter eines der größten Standbilder Deutschlands und trägt den Titel Die friedliche Nutzung der Kernenergie. Der Künstler des Werkes ist Werner Petzold. Aber es stand nicht immer in der freien Landschaft. Über viele Jahre zierte das prägnante Beispiel für baubezogene Kunst in der DDR den Giebel des Hauptgebäudes der Wismut-Verwaltung in Paitzdorf. Der 1940 in Leipzig geborene Petzold schuf zahlreiche Werke für die Wismut, so auch dieses Werk, das er in den Jahren 1972 bis 1974 im Stil des Sozialistischen Realismus fertigte. Das Bild besteht aus 384 emaillierten Stahlblechen von je 100 x 50 cm, von denen je acht Stück ein Segment bilden. Es zählt zu seinen bekanntesten Werken.

Die friedliche Nutzung der Kernenergie von Werner Petzold

Abgebildet werden Bergleute und Ingenieure umrahmt von einer roten Fahne. Sie alle gruppieren sich um einen stilisierten Atomkern. Es zeigt eine idealisierte Form des Umgangs mit der Atomenergie.

Ein Bild in der Landschaft

Mit dem Abriss des Gebäudes wurde das Monumentalbild gesichert und eingelagert. Ein zweites Leben bekam Die friedliche Nutzung der Kernenergie von Werner Petzold 2009, als es als Teil der Resurrektion Aurora zwischen der Halde Beerwalde und dem Förderturm Löbichau des ehemaligen Schachtes 403 aufgestellt wurde. Die Resurrektion Aurora war ein Begleitprojekt der Bundesgartenschau 2007 und verbindet die Geschichte des Bergbaus mit Kunst und Poesie. Durch das Gebiet zieht sich ein Fahrrad- und Wanderweg entlang einer für die Gartenschau neu gepflanzten Lindenallee, die an verschiedenen Kunstwerken vorbeiführen.

Resurrektion Aurora zwischen der Halde Beerwalde und dem Förderturm Löbichau
Blick auf den Turm am Schacht 403 in Löbichau

Inwieweit das Werk die Nutzung der Atomenergie idealisiert und verherrlicht, davon kann sich jeder seine Meinung bilden. Und nur wenn ein Werk auch öffentlich gezeigt wird, regt es zur Diskussion und zur Meinungsbildung an. Auf jeden Fall ist es mit seiner monumentalen Größe ein beeindruckender Solitär in der Landschaft.

Resurrektion Aurora zwischen der Halde Beerwalde und dem Förderturm Löbichau
Auch Teile der ehemaligen Förderanlagen stehen an der Lindenallee

Ausflüge, die sich mit einem Besuch des Bildes verbinden lassen

  • Auf dem ehemaligen Bergbaugelände der Wismut ist die neue Landschaft Ronneburg entstanden, die zu vielfältigen Ausflügen einlädt. Wer mehr über die Landschaft nach der Wismut erfahren möchte, findet eine gleichnamige digitale Ausstellung auf der Homepage der Burg Posterstein.
  • Eine schöne Aussicht bietet der nahe gelegene Bismarckturm in Reust
  • Auch die Burg Posterstein ist immer einen Besuch wert
  • Und wer auf der Suche nach Bauten der Ostmoderne ist, wird auf jeden Fall in Gera fündig.
Beitrag bewerten:
Sending
ø Bewertungen der Leser
5 (11 Stimmen bisher)
kommentiert 0 (0 Leser)

Oder hinterlasse einen Kommentar...

Sending